| Justizskandal um ein Unrechtsurteil wegen sexuellen Missbrauchs, Sabine Rückert, DIE ZEIT | |||
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Gepostet von: Redaktion ® 01/31/2007, 15:10:26 Profil des Autors Mail author Edit |
Am 8. Januar 2007, stellte der Hoffmann und Campe Verlag mit einem hochkarätig besetzten Podium das neue Buch der ZEIT-Gerichtsreporterin Sabine Rückert, „Unrecht im Namen des Volkes“ vor. Gemeinsam mit Jan Philipp Reemtsma und dem bekannte Strafverteidiger Johann Schwenn berichtete sie in der Heinrich Heine Villa des Verlages von einem skandalösen Justizirrtum und seinen Folgen.... Den Bericht in DIE ZEIT lesen Sie hier Ein Auszug: Es ist die Geschichte der 18-jährigen Schülerin Amelie (Name geändert) aus Papenburg im Emsland, die ihres Vaters Adolf S. und die ihres Onkels Bernhard M. Sie beschäftigte Mitte der neunziger Jahre Polizisten, Staatsanwälte, Verteidiger, Ärzte, Psychologen und Richter. Eine verwirrende und böse Geschichte, die mit zwei Fehlurteilen endet, gefällt vom Landgericht Osnabrück: Adolf S. wird 1995 wegen Vergewaltigung seiner Tochter Amelie zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren, Bernhard M. wird 1996 wegen Vergewaltigung seiner Nichte Amelie zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Geständnisse, Zeugnisse von Dritten oder andere Beweise hat es nicht gegeben - nur die Beschuldigungen eines jungen Mädchens und den Glauben der Richter. Zwei Männer gerieten in die Mühlen der Justiz und wurden zermalmt. Einfache Papenburger Arbeiter, die sich nicht gut wehren können und für deren Schicksal sich im Grunde kein Mensch interessiert - eben ganz normale Angeklagte in diesem Land. Beide haben ihre Strafen inzwischen voll verbüßt. Bis heute beten sie in Endlosschleifen ihre Version her: Sie hätten das Mädchen nicht angerührt. Beide leben im Abseits. Der ehemalige Kraftfahrer Adolf S. hat aus dem Gefängnis in mehr als 2500 Briefen Recht gefordert - bei Ministerien, Medien, Ämtern -, Antwort hat er allenfalls in Standardabsagen bekommen. Heute unterhält er sich irgendwo im Norden Deutschlands auf langen Spaziergängen mit einem dicken Labrador. Bernhard M., einst gut verdienender Arbeiter auf einer Ölbohrinsel in der Nordsee, ist eine zerschmetterte Existenz. Er hat sich in die Obhut der Psychiatrie geflüchtet, weil ihn Angst und der Gram über seine Verurteilung nicht mehr unter Menschen leben lassen. Er malt Bilder von blutenden Figuren, einsam in nachtschwarzer Landschaft, auf die allein aus dem Himmel ein dünner Lichtstrahl fällt. In einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 15. 12. 2005 heißt es: Wir hoffen, dass der Verteidiger die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen konnte. Siehe dazu unseren Eintrag in die Datenbank für Gerichtsgutachter
Aus einem Interview: «Bernhard M. war nicht das einzige Opfer seiner Nichte Amelie. Das Mädchen behauptete, ihr Vater, Adolf S., hätte sich über Jahre an ihr vergangen. Im November 1994 zeigte sie ihn an. Wegen Vergewaltigung in mindestens zehn Fällen wurde er 1995 vom Landgericht Osnabrück zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das gleiche Gericht sah es knapp ein Jahr später als erwiesen an, dass auch Bernhard M. ein Vergewaltiger ist. Die beiden Männer saßen ihre Haft vollständig ab. Sogar den Bundesgerichtshof passierten die Urteile anstandslos, eine Revision wurde verworfen. Erst die Recherchen der "Zeit"-Journalistin Sabine Rückert offenbarten 2002 schier unglaubliche Mängel in der Beweiswürdigung der Osnabrücker Richter. "Was mich wirklich während dieser Recherche erschüttert hat, war, dass ich Dinge gefunden habe, die das Gericht hätte finden müssen, denn in den Akten stand das auch schon vorher, dass sich die Zeugen abgesprochen hatten, und dass die Hauptbelastungszeugin ihre Aussagen der Alibilage angepasst hat", berichtet sie. "Auch das stand in den Akten, da hatte ich es ja her." Dazu kam der Hinweis eines Gutachters: Was er nach 14 Vergewaltigungen und einer Abtreibung mit einem Kleiderbügel für ein Wunder hielt, war den Richtern kaum der Rede wert. Das angeblich vergewaltigte Mädchen war immer noch Jungfrau. Amelie wollte sich, so Rückert, mit ihren Beschuldigungen rächen, am gewalttätigen Vater, einem Haustyrannen, am Onkel, weil er ihre Vorwürfe gegen den Vater bezweifelte. Nach einem Selbstmordversuch wurde die 18-Jährige auf der kinderpsychiatrischen Abteilung des örtlichen Krankenhauses behandelt und von wohlmeinenden Helfern offenbar darin bestärkt, sich als Vergewaltigungsopfer in Szene zu setzen. Berichte über Kindesmissbrauch bestimmten in den 90er Jahren die Schlagzeilen. Jeder Mann war ein potentieller Vergewaltiger, jedes Kind ein Opfer. Es war ein Missbrauch des Missbrauchs. Rückert spricht von den "Schattenseiten des Feminismus", macht vor allem aber Pflichtverstöße von Ärzten, Richtern und Staatsanwälten für die Fehlurteile verantwortlich. "Sie haben sich nicht an die professionellen Standards gehalten", sagt sie. "Das ist das eine, das Wesentliche. Warum haben sie es nicht getan? Weil sie emotional berührt waren. Weil sie hinweggerissen waren von dem Mitleid mit diesem Kind und von der allgemeinen Aufbruchsstimmung Richtung Frauen, Missbrauchsopfer müssen unterstützt werden. Diese in den 90er Jahren grassierende Ideologie muss das Gericht erfasst haben, anders ist das nicht denkbar. Man muss wirklich alle Augen zugemacht haben, um diese Dinge nicht zu sehen." » Verantwortlich für dieses Desaster ist der damalige Vorsitzende der Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück, Erich Klein, mittlerweile gottlob im Ruhestand, und Staatsanwalt Dr. Michael Schmitz. Gegen beide wurde von Rechtsanwalt Johann Schwenn Strafanzeige wegen Rechtsbeugung erstattet ... - selbstverständlich wurde sie abgeschmettert. :-( Dr. Michael Aschenbach
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