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Gepostet von Griesemer_M ® , Dec 20,2004,00:51 |
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Kritisches Denken zum öffentlichen Umgang mit "Pädophilie" bedeutet inzwischen ein erhebliches persönliches Risiko, z. B. wenn man sich gegen überdimensionale Monstrosifizierungen wendet oder zur Korrektur von Irrtümern Anlaß sieht. Das ungeheuerlichste Argument allerdings, mit dem man in diesem Zusammenhang als Fachmensch derzeit zu rechnen hat, ist das Argument, man träte darin "in Anwaltschaft zu Pädophilen".
Um meine Position gleich eingangs klarzustellen: Es ist die Pflicht jedes einigermaßen zivilcouragierten Bürgers, sich dagegen zu verwenden, wenn er an verschiedenen Punkten den Eindruck hat, daß auf einer bestimmten Minderheit gerade eine undifferenzierte Hexenjagd lastet. Im speziellen ist es aber auch die berufliche Pflicht eines jeden Arztes, Psychiaters oder Psychologen, in Anwaltschaft zu seinen Patienten und zu klinischen Gruppen seiner Domäne zu treten - nachgerade, wenn von allen Medien wahlweise Dinge wie die Todesstrafe, die Zwangskastration oder die lebenslange Einsperrung gefordert wird: Bei Pädophilen speziell auch unabhängig von jeder individuellen Schuld inzwischen; denn Pädophilie -nicht Kindesmissbrauch- ist als Bedrohungspotential festgeschrieben; mit Pädophilie -nicht, was Betroffene getan oder nicht getan haben- werden solche Dinge inzwischen öffentlich begründet (s. dazu auch Krebber, 1999). Zwar lässt sich argumentieren, die Rechtsprechung handle ja noch immer fallbezogen und unabhängig von diesem öffentlichen Druck dahin, doch entspricht das rechtspraktisch keineswegs der Wahrheit.
Eine moralische Pflicht ist es auch historisch, denn nicht anders wie Juden, Behinderte oder Homosexuelle fielen auch Pädophile Hitlers Schergen zu Opfer: Den Erschießungsgruben und den Gaskammern. Wenn wir also nicht die Vergasung Pädophiler als Hitlers "verständlichstes" Verbrechen handhaben wollen, dann gibt es mit einer solchen Geisteshaltung keine Kompromisse: Menschen aufgrund dessen, was sie sind, ihrer sozialen Bloßstellung oder existentiellen Vernichtung zuzuführen - statt sie aufgrund ihrer rechtstaatlich zu prüfenden, individuellen Schuld zu bemessen.
Eine moralische Pflicht ist es auch, sofern wir anderen Formen der Hexenjagd -gewöhnlich schreiben wir sie Rechtsradikalen zu und sehen ethnische Minderheiten als ihre Opfer- wirklich von ihrer sozialpsychologischen Tragik und Dynamik her verstanden und begriffen haben. Ich persönlich finde, es hat wenig Sinn und hat sogar eher etwas von einem Reinwaschungsversuch der "bürgerlichen Mitte" an sich, wenn sich unser gesamter Aktionismus in solchen Dingen gegen eine Handvoll Neonazis mit exotischem Gedankengut und extremer Gewaltbereitschaft richtet - wir aber gleichzeitig unsere Augen davor verschließen, wenn eine ähnliche Minderheitenaversion erkennbar plötzlich 80 Prozent unserer Bevölkerung befallen hat. Daß solche Dinge mehrheitsfähig werden, rechtfertigt sie nicht.
Über schwerste Therapiefehler an Missbrauchsopfern vor fanatisiertem Hintergrund wird inzwischen häufiger gesprochen - hinsichtlich der an Tätern vermisst man das bis dato. Hier aber gilt derselbe empirische Lehrsatz: Erfolgsberichte der Patienten, nicht die Verlautbarungen dazu ihrer Therapeuten, sind eine Gewähr dafür, ob eine Therapie erfolgreich war. Nur wenn sie oder ihre Angehörigen - besser noch ein Therapieforscher per Doppelblindstudie - berichten, diese oder jene Verbesserung einer Symptomatik hätte stattgefunden, ist dies eine brauchbare Form der Validierung. Bezeichnenderweise wird von der besagten Szene auf diesem Sektor nun zwar ständig über tolle Erfolgsquoten Werbung gemacht - aus dem Mund der dort behandelten Menschen oder ihrer Angehörigen erfährt man aber merkwürdigerweise nichts. So man jedoch einigermassen integer einräumt, kaum Erfolge bei der Umorientierung zu haben, stellt man nun etwas anderes fest: Empathisch wird es dann nämlich oft genutzt, um Pädophile in den Medien als unbehandelbar zu brandmarken - und zwar meist ausdrücklich des Sinnes, dass man dies -als Beweis für eine typische Charakterperfidie oder ihre gewissenlose Unwilligkeit gezeichnet- zu Plädoyers für ihre lebenslange Einsperrung aufgreift.
Einige der Therapeuten, die hier auffallen, dürften gemäss der Grundvoraussetzungen jeder effektiven Therapie in der Therapieforschung (die Therapeutenvariablen "Empathie" und "Kongruenz" darunter) allerdings allein schon darum keine Erfolge haben, weil sie diese Klienten nämlich leidenschaftlich hassen: Mit der entsprechenden hasserfüllten Missionarität beginnen sie oft bereits die Therapie. Auch dies ist Charakteristikum einer Szene, die aus hasserfülltem Missbrauchsaktivismus vorgibt, an Pädophilen "Therapie" zu machen. Es handelt sich in solchen Fällen nun durchaus um einen berufsethischen Verstoss: Ebenso, wie wir als Psychologen nämlich eine Therapie sofort abzubrechen und zu delegieren haben, sobald wir uns in Patienten verlieben oder sexuelles plötzlich eine Rolle spielt (Abstinenzgebot), so haben wir eine Therapie auch sofort abzubrechen, sobald wir Aversionen gegen unsere eigenen Patienten empfinden. In beiden Fällen gilt, dass wer -aus welchem Grund auch immer-die Therapie dann trotzdem weiterführt, den Patient damit recht schnell zum Opfer eines Abhängigkeitsverhältnisses macht, oder seiner Unzulänglichkeit, sich diese Angelegenheit selber einzugestehen.
Das Wort "Abhängigkeitsverhältnis" ist bei Pädophilen nun auf ganz besonders furchterregende Weise Fakt: Denn ein Patient, der unter Haftandrohung per Gerichtsbeschluss in Psychotherapie gezwungen worden ist, wie man das in letzter Zeit juristisch möglich gemacht hat: Der kann sie überhaupt nicht abbrechen, wenn er dort dem Hass eines Therapeuten auf Pädophile ausgesetzt sein sollte. Eine besondere Crux dabei ist, dass wir als Psychologen gemeinhin auch gute Sublimationskünstler sind: Die gerade eine solche Angelegenheit bis zur Unkenntlichkeit sich selbst gegenüber wie auch dem Klienten verbergen können. Auf diesem Sektor scheint es sogar so, als ob es Therapeuten auch leicht gemacht wird, diese Aversion nicht etwa für Hass, sondern für reine Problembildung zu halten. Wofür das folgende Beispiel gleichfalls stehen kann.
Das ganze Ausmass an Problembildung über die Menschen, die zur Zeit "therapiert" werden, demonstriert eine Äusserung des Psychotherapeuten Jürgen Lemke vom Berliner Zentrum KIZ, in einer Sensationsreportage des "Stern" (Oktober 2003): Als müsste er nicht eigentlich jeden Tag den typischen psychischen Problemlagen und Sekundärstörungen dieser Klientel begegnen, wenn er wirklich "Therapie" mit Pädophilen macht ("Tätern"); macht er sich über Sinn und Zweck bspw. von Selbsthilfegruppen folgende Vorstellung: "Selbsthilfegruppen", das sei doch "wie wenn sich die Füchse untereinander beraten, wie sie die Gänse am besten jagen". Nun habe ich im Zuge meiner eigenen Arbeit hin und wieder mit solchen Gruppen Berührung gehabt und weiss darum, worüber ich spreche: Was in dieser Äusserung eines Therapeuten in Wirklichkeit an Todesverachtung gegen die eigenen Patienten zum Ausdruck kommt, das wird er selber ganz spontan für klinische Bildung über Pädophilie halten.
Meine Einblicke sind dergestalt, dass man gerade die falschen Experten auf dem Therapiesektor -also mit de facto kaum wirklicher Berührung mit solchen Patienten- am zutreffendsten daran erkennt, dass "Pädophile" für sie die Medienfiktion über Pädophile sind: Wonach die scheinbar nichts anderes im Kopf haben als permanent Kinder zu missbrauchen - während sie gerade über die typischen Sekundärstörungen und seelischen Notlagen dieser Klientel kaum irgendeine Form von Wissen aufweisen, das über solche Medienklischees hinausginge.
Oft stehen z.B. nämlich gerade Sekundärstörungen wie Angst und Depression sogar ganz zentral im Vordergrund: Schwerlich können sie von professionellen Therapeuten übersehen werden; und eine rückfallpräventive Therapie hat zum anderen sogar ganz vorgeordnet diese Sekundärfolgen anzugehen: Als psychopathologische Entwicklungen sind es nämlich unterhöhlende Bedingungen gerade von Rückfallresistenz bei diesen Menschen.
Lemke mit seiner obigen "Expertise" entspricht dabei durchaus prototypisch dem oben gezeichneten Typus: Kein studierter Psychologe oder approbierter Psychotherapeut, sondern freudianisierender Sozialarbeiter; motivatorisch aus der "Schwulenbewegung" stammend - die ihren Aktivismus im Missbrauchssektor vor allem aus der ostentativen Distanzierung von homosexuellen Pädophilen bezieht. In jener recht infamen Berichterstattung des Boulevardblattes "Stern" in Zusammenarbeit noch dazu mit dem ZDF, zu der sich hier ein Psychotherapeut hergibt, wurde selbst eine honorige humanistische Institution wie die Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) mit entsetzlichen Folgen verunglimpft: Als Halbweltorganisation regelrecht, die unter ihrem Dach eine Pädokriminellenmafia dulde. Diese hätte sich "am hellichten Tag" infamerweise als Selbsthilfegruppe "getarnt".
Dies leitet über zur Medienanalyse und einer mehr als fragwürdigen Verflechtung.
Zum Hintergrund der obigen Geschichte - seinerseits gestattet sie Einblick ins Desinformationsgeschäft der Medien auf diesem Sektor. Die AHS ist nichts dergleichen. Sie hat weder etwas mit den in jener Stern-Reportage aufgedeckten Missbrauchsfällen in Berlin oder München zu tun (wie dabei erfolgreich suggeriert, aber selbst in der ZDF-Version nicht wirklich behauptet worden ist), noch mit den dort thematisierten Selbsthilfegruppen, die Betroffene in grösseren Städten aufgrund ihrer bedrückenden sozialen Situation eingerichtet haben. In Wirklichkeit müht man sich in der AHS in einer eigens eingerichteten Untersektion "Pädophilie" ab, den Betroffenen ein bis dato nicht bestehendes Netzwerk an therapeutischen Hilfen und Beratungsgruppen anzubieten, und gemäss der humanistischen Zielsetzung auch den humanen Umgang einzufordern, auf den sie als Menschen immerhin einen Anspruch haben. Informelle Kontakte der AHS bestanden vor diesem Hintergrund selbstverständlich zu einzelnen Betroffenen im Bundesgebiet, die dort Rat suchen, zum anderen auch zu den so gezeichneten "Selbsthilfegruppen". Und nicht etwa um "Gänse zu jagen", wie ich aus eigener Anschauung weiss: Pädophile Menschen befinden sich zur Zeit in erheblicher Bedrückung, psychisch wie auch aus ihrer inzwischen vollständigen sozialen Isolation heraus. Der verantwortliche Journalist Manfred Karremann, der diese Dinge über die AHS in Umlauf brachte, war dabei selbst unmittelbar Zeuge -eingeladener Gast einer Zusammenkunft der AHS wie ich selber auch- dass man dort u.a. gerade einen Therapieleitfaden und ein Therapeutenverzeichnis für Pädophile erarbeitete. Auch einige Betroffene selbstverständlich waren gekommen, und arbeiteten unter Beratung eines eigens dafür eingeladenen Psychologen -meiner Wenigkeit- daran mit. Während nun drin gearbeitet wurde, wurde es dem Herrn wohl zu langweilig - und lungerte er lieber draussen herum, die Kamera immer wieder gelangweilt auf das Icon des Deutschen Jugendherbergwerks haltend, weil halt sonst nichts geschah. Auch daraus aber liess Skandal sich machen, wie sich später zeigt. Stundenlang muss Karremann in einer angrenzenden Parkanlage mit spielenden Kindern darauf gewartet haben, bis in der Mittagspause vielleicht eins stolpert und in Kamerabrennweite eines dieser Männer hin- und einem vor die Füsse fällt. Als der nun zu ihm hineilt um ihm aufzuhelfen, genügt dem ZDF später ein Schnitt, eine wippende Kinderschaukel mit schreienden Phantomkindern und horrormusikalischer Untermalung: Um zu suggerieren, es wäre gerade versuchsweise vergewaltigt worden. Stilmittel: Ermordete Kinderseele "am hellichten Tag".
Dass in der AHS an einem Therapeutenverzeichnis gearbeitet wurde und zu diesem Zweck eine engere Konzertierung der daran Mitwirkenden über Internet beschlossen wurde, gehört nun zu den vielen Informationen, die der Sensationsreporter hatte - und die er unterschlug und anders aussehen liess. Und zwar auf eine Weise, die durchaus an Berufsverbrecherei denken lässt. Karremann -lukrativ bezahlt für eine Sensationsstory von Stern und ZDF- hatte anderes vor als "investigativen Journalismus": Die zu diesem Zeitpunkt beschlossene, engere Konzertierung der Arbeitsgruppe via Internet zum Zwecke eines Therapieleitfadens taucht später sowohl beim "Stern" wie auch im ZDF als konspirative "Vernetzung Pädokrimineller" auf. Während Karremann später, wie ich von zuverlässiger Quelle weiss, reihum versucht hat, sich bei den verunglimpften Menschen innerhalb der AHS zu entschuldigen - führen sowohl er selbst, wie auch sein Revolverblatt die widerwärtige Verunglimpfung während Wochen weiter ungebrochen fort: Sie findet sich von ARD bis Süddeutsche Zeitung. Aufhänger der Verunglimpfung: Vorgänge ganz woanders wie gesagt -in Berlin, in München- wo er sich in eine Szene eingeschleust hatte um Kontakt mit Pädophilen zu bekommen.
Unvermeidlicherweise war er dabei natürlich auch auf einzelne Pädophile gestossen,, die einiges "am laufen" hatten, sozusagen.
Es bedurfte zur Inszene-Setzung dieser Dinge nun aber einer mafiösen "Pädo-Zentrale": Um das monströse Zentrum einer Verschwörung von "Kinderschändern in Deutschland" abzugeben; und die sich zu solchem Zweck -heimtückisch und am hellichten Tag- konspirativ "vernetze". Seine Wahl fiel dabei auf die Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität in Hessen - mit ihrer humanistischen Position zum Thema.
Schauplatzwechsel: Selbst die spektakulär "aufgedeckten" Fälle von Kindesmissbrauch in Berlin und andernorts erweisen sich in Wirklichkeit als schändliches Exempel von Medienunwesen: Als Opfer der späteren exemplarischen "Volksaufklärung" Karremanns bei Stern und ZDF über "Kinderschänder in Deutschland" "am hellichten Tag" kann auch ein zehnjähriges Kind in ... gelten:
(...)
Auch die Mutter ist übrigens Opfer der Umtriebe Karremanns, von "Stern" und ZDF: Via TV und Regenbogenpresse hatte man sie als vorgeblich verdrängerische, ignorante Mutter hingestellt in aller Öffentlichkeit. "Mehrfach sogar", erfährt sie durch die Medien, will man sie vor der Sendung noch eigens "aufgeklärt" haben, was ihrem Sohn da alltäglich durch einen Betreuer, einen "Pädophilen" widerführe. In Wirklichkeit wurde sie mit einer Serie kalter, befremdlicher Anrufe bombardiert. Auch das Team hatte der Wirklichkeit nach kaum Informationen, was denn da so schreckliches dem Jungen widerführe: Als dass eben sein Bekannter mutmasslich ein "Pädophiler" sei und sexuelles sich ereigne - und da "widerfährt" einem eben automatisch. Das Grauen im eigenen Haus -ach, typisch, leider !- habe die Frau nun aber "einfach nicht glauben können", orakelt es im ZDF. Je schlimmer und unspezifischer man das Grauen beschwört, umso wahrscheinlicher wird stets das "Nicht-glauben-Können". Oder dass gerade dies, paradoxerweise, Eltern dazu verführt, umso mehr von schlimmsten Malträtierungen ihres Kindes auszugehen, je weniger das Kind je Anlass bot, so etwas an ihm zu beobachten. ("Warum hat er nur so lange geschwiegen !"/"Warum wir haben wir nur so lange nichts gemerkt !").
Die Mutter dieses Beispiels widersteht der Suggestivtechnik, mit der sie an den Rand eines telegenen Zusammenbrechens geführt werden sollte - und erscheint drum als "verdrängerische Mutter" im Angesicht des Grauens. In Wirklichkeit hat die Frau, wie ich inzwischen weiss, mit gesundem und wachem Instinkt für ihren Sohn gehandelt, den sie selbst am besten kannte: Zur Verhinderung von etwas, was wir Psychologen "primäre Interventions-" und "sekundäre Viktimisierungsschäden" bei Kindern durch Hysterie und Strafverfolgung nennen, tat sie genau das richtige und verweigerte sich - statt nach den Aufklärungspraktiken des Fernsehteams vor laufender Kamera die schreiende, kreischende, zusammenbrechende Mutter zu geben, und sich damit auf die vielleicht schlimmste Weise, mit der man so etwas tun kann, für Infotainment missbrauchen zu lassen. Anderen Müttern der "aufgedeckten" Missbrauchsopfer des ZDF geschah dies durchaus: Voyeuristisch hat man ihre Zusammenbrüche gefilmt.
Der Zusammenhang zwischen einer radikalisierten Expertenszene und den Sensationsmedien, der solche Blüten treibt, ist hier erwähnenswert - und bestürzend. Die seinerzeitigen Umtriebe des Sensationsreporters Karremann bspw. und die Aufbereitung seiner Desinformationen durch Stern und ZDF mithilfe von brauchbaren "Experten" im Spätjahr 2003 -einem Millionenpublikum sicherlich noch in "wachrüttelnder" Erinnerung- mögen Medienkriminologen geradezu als Fallexempel auswirkungsreicher Diffamierungskunst dienen, wo jede soziale Kontrolle inzwischen versagt: Strafrechtlich niemals ahndbar und durch Presserecht gedeckt, darf alles über jeden behauptet werden, ohne dass noch der geringste rechtliche Schutz der Betroffenen besteht: Sofern man nicht behauptet, sondern suggeriert. Die Wirkung ist die selbe - nur ist das eine strafbar und das andere nicht. Der gesamte Pressewald hat die Stern-Schmonzette damals nachgedruckt. Kein Organ indessen, dass diese reisserischen Verunglimpfungen mit hohem Auflagenprofit gedruckt hat, hätte nach eingekehrter Einsicht in primitivste Verstösse gegen die journalistische Sorgfaltspflicht später Richtigstellungen der betroffenen Organisation oder der Menschen auch nur lieblos abgedruckt,die seither um ihr Überleben kämpfen. "Wissenschaftliches" Alibi auch hier: Fachleute wie eben jener Psychotherapeut Lemke (s.o.), die sich in den Medien zu derartigem hergeben. Jede Diffamierung über Medien -und längst nicht nur die von Pädophilen- ist zur Zeit bei diesem Thema zum Erfolg verurteilt.Wer privat einen ungeliebten Nachbarn vernichten will, der behaupte einfach, er missbrauche sein Kind. Man kann dies durchaus kalkuliert auch wider bessres Wissen tun - denn selbst ein Freispruch vor Gericht hilft erfahrungsgemäss dem Betroffenen nichts mehr in sozialer Hinsicht;. und wer mit ähnlichem Erfolg eine seiner Fraktion unliebsame Fachwelt eliminieren will, der verunglimpfe sie der "Anwaltschaft zu Pädophilen": Als Skandalon wirkt so etwas medienkommerziell immer bereits aus sich selbst heraus.
Als ich Monate nach jener Sensationsschmonzette mit der AHS als vorgeblicher "Pädomafia" zusammen mit anderen Fachleuten -Kriminologen, Rechtsanwälten, Psychologen- als Vortragsredner über meine Arbeit zu ihrer öffentlichen Jahresveranstaltung eingeladen worden war, machte kaum einer von uns nicht die Erfahrung, von wohlmeinenden Kollegen davor gewarnt zu werden, hinzugehen. Alle hatten scheinbar ZDF gesehen. Und Wochen später fanden wir uns alle unversehens auf der Homepage der Organisation "Vachss" wieder, die offensichtlich "Stern" liest: Sprichwörtlich wie in einem Verbrechersteckbrief dargestellt, weil wir daran teilgenommen hatten (übertitelt mit: "Merkt euch ihre Namen !"). Es sollte mithin nicht wundern, wenn der eine oder andere der aufgeführten Gastredner eines Tages vom nächstbesten Verrückten vor seiner Haustür erschossen wird. Nota: Abgesehen von meiner Wenigkeit hätte sich kein einziger Dozent dort thematisch etwa mit Pädophilie befasst (die AHS befasst sich mit einer Vielzahl Themen).
Bislang allerdings "beschränkt" sich der Wahn darauf, echte Pädophile hin und wieder auf offener Strasse totzuschlagen (geschehen Anfang 2004 bei Stuttgart); oder ihnen die Scheiben ihrer Häuser zu zertrümmern (geschehen bei einer einschlägigen Schill-Kundgebung zur selben Zeit in Hamburg). Um ein Haar wäre dasselbe auch dem Elternpaar eines pädophilen Mannes in einem Provinznest geschehen, das ich im Zuge meiner Arbeit kennenlernte; die Eltern eines jungen Mannes und auch die greisen Eltern eines andern Falles leben in beständiger Furcht vor so etwas. Was jedoch am meisten bestürzen mag: Dass, wenn es zu gewaltsamen Todesfällen kommt -kampagnengetreu sozusagen- ausser vielleicht der Lokalpresse kein Medium je darüber berichtet. Manchmal liest man zwar von Selbstmorden unter den betroffenen Menschen: Aber des Sinnes dann, "der Kinderschänder hat sich selbst gerichtet" und dergleichen. Als sich in Norddeutschland des Jahres 2003 ein beliebter Lehrer das Leben nahm, nachdem er von zwei sechzehnjährigen Mädchen erpresst worden war, hat man in den Zwischenzeilen dem Mann noch mit einem hämischen "Recht so !" nachgetreten.
Wer insbesondere die gesammelten Machwerke zum Thema von "Stern", "Focus" und BILD textpsychologisch analysiert, der wird sogar die bestürzende Beobachtung machen, dass Journalisten in ihren Artikeln nicht selten selber -versteckt und sublim freilich- zu aktionistischer, physischer Gewalt gegen Pädophile aufrufen. Die aggressive Kennung "Kinderschänder" birgt so etwas bereits: Ein Wort der Nazisprache, das jedes Individuum allem Menschenähnlichen entkleidet. Oder Medienbegrifflichkeiten wie z.B. "Pädophilenring" (=zwei und mehr vom selben Problem Betroffene, die -in welchem Kontext auch immer- in privatem Kontakt miteinander stehen); die "Pädo-Wohnung" in den gesammelten Werken des "Stern" (=Wohnung, in der ein Pädophiler wohnt); die "Pädo-Mafia" - nebst anderen Begriffsschöpfungen mit diesem Präfix mehr. Würden wir "Nigger "- oder "Juden"- skandalös vor Ortsangaben oder Handlungsstereotype setzen, dann würde jedem klar, um was es sich hier im eigentlichen handelt. Beunruhigend ist, dass es niemand auffällt. Grundkenntnisse über`s Dritte Reich erweisen sich als nicht transferfähig. Für Menschen, die wir vorhin als sekundäre Pädophile beschrieben haben, hat die Journaille inzwischen sogar den Begriff "Schläfer" zweckentfremdet: Mitten unter uns lebten die, skandalöserweise; derart perfekt als Familienväter getarnt, dass sie nach Jahrzehnten einer heimlichen Anschlagsvorbereitung plötzlich Kinder vergewaltigen. Selbst für Pädophile, die ihre Empfindungen niemals zulassen, gibt es eine Sprachregelung aus der Terrorismusbranche: Diese sind mutmasslich sogar die allergefährlichsten - vor denen es uns daher am allermeisten grausen sollte: Wo der Begriff vormals explosible Psychopathen oder Serienkiller im Prämordialstudium bezeichnete ,konnotiert man auch diese Menschen (Thomas Mann gehörte zum Beispiel in diese Kategorie) inzwischen als "tickende Zeitbombe".
Als Beispiele für eine besonders widerliche Sparte dieses Genres seien hier vorzugsweise das Strickmuster von Artikeln zum Thema insbesondere des "Stern" genannt, sowie ungezählte Reportage-Gruseletten unter Verantwortlichkeit des Fernsehjournalisten Ulrich Mayer und des Polizeipsychologen Adolf Gallwitz. Die infamste und sogar effektivste Suggestiv- und Emotionalisierungstechnik besteht wohl gerade in der Überrumpelung der Denkfähigkeit des Zuschauers ob seiner Wehrlosigkeit in seiner eigenen Scham: So bringt es der "Stern" in einer Ausgabe 2003 fertig, uns über einen Jugendlichen, der sich von einem Mann oral befriedigen liess, weiszumachen, der Junge habe dabei allen Ernstes " gewimmert". Zumindest als sexuell erfahrener Mann mit eventuell gar Frau und Kindern könnte man sich fragen, wie sowas physiologisch möglich ist. Nach dieser Suggestion -Marke "gemordete Kinderseele"- wird empathisch dann auch noch " ...und dieser leere Blick !" beschworen, den der Junge nach einem Orgasmus seither haben soll: Sprichwörtlich, als habe der pädophile Vampir ihm auch noch die Seele aus dem Leib gesaugt.
Weiteres Beispiel: Ein 14-jähriger Junge in der Berliner Karremann -Affäre (s.o.) wird in seinen Selbstmordgedanken ausgebreitet - um sie empathisch dem pädophilen Dämon anzulasten (respektive irgendwelchen sexuellen Handlungen). Es wird uns also suggeriert, der Junge sei von einem Pädophilen so sehr sexuell gequält oder "ausgebeutet" worden, dass er seitdem Selbstmordgedanken habe. Man muss es hilflos glauben - eine Suggestion wirkt hier als Falschinformation, solange man nicht gerade Aktenseinsicht hat: Der Junge hat seine Suizidalität der Wahrheit nach deshalb entwickelt, weil er einen blutigen Polizeieinsatz in eine Wohnung -mit einer Terroreinheit auf die Desinformationen eines Journalisten hin- nicht verarbeitet hat: Zu diesem Zeitpunkt sass das "missbrauchte Kind" arglos mit dem Mann beim Spiel. Wie ich aus der Fallsondierung weiss: Der Junge hat neben einem prügelorgiastischen Polizeieinsatz, bei dem er vor Entsetzen schrie, vor allem auch die Trennung von dem abgeführten Mann nicht verarbeitet, sowie die widerwärtigen Umstände des späteren Gerichtsverfahrens nicht, das für ihn in keinem nachvollziehbaren Verhältnis stand. Mit dem Mann hatte ihn eine sehr liebevolle Freundschaft verbunden. Trotz -oder vielleicht sogar gerade wegen- der intimsten Natur der Bindung. Diese Wirklichkeit geht auch aus dem Protokoll der Aussagen des Jungen in einem harschen Polizeiverhör hervor. Wochenlang lief er traumatisiert umher - und leidet um den Mann auch heute noch.
Insbesondere mag man sich in diesem Zusammenhang als Psychologe für den Kollegen Adolf Gallwitz schämen: Gallwitz ist regelrecht der "Expertenstar" dieses Infotainments, und seine -eigentlich demagogischen- "polizeiwissenschaftlichen" Schriften sind an erster Stelle für diesen Jargon und seine Auswirkungen verantwortlich. Für Polizeieinsätze obigen Gepräges übrigens ebenso wie für Erscheinungen wie bspw. Karremann. Highlights von "Expertisen" Gallwitzens im TV sind symptomatischerweise Titel wie "Dem Grauen auf der Spur - Auf der Jagd nach Kinderschändern", und ungezähltes mehr dieser Geschmacksrichtung. Dabei ist es eine entsetzliche Entwicklung, dass dem Marktgesetz von sex & crime an Kindern inzwischen auch die Öffentlich-Rechtlichen erlegen sind, bis hin sogar zu "Arte". Die beschriebenen Suggestionstechniken über "sexuelle Handlungen" und Emotionalisierungstechniken rund um "Kinderschänder" sind geradezu eine Marketingmethode zur Steigerung von Einschaltquoten geworden - vermittels der Erzielung eines ultimativen "Konsens-Ekels", auf dass sich eine möglichst grosse Fernsehgemeinde allabendlich vor den Bildschirmen versammle: Eine Masche, mit der per sexueller Suggestion und moralisch verbrämten Ekel-Orgien über "Kinderschänder" und "ermordete Kinderseelen" ein möglichst millionenstarkes Publikum in kollektiven Erschütterungsrausch versetzt wird. Eine sehr profitable, weil in Wirklichkeit sehr wohlige Empfindungslage: Erschütterungskitzel garniert mit sexuellem plus Moralimpetus - damit sogar aktiv Teil einer regelrechten allgemeinen Wohlfahrtskampagne zu sein. Die kommerzielle Pervertierung unseres Mediensystems scheint soweit fortgeschritten zu sein, dass man es sogar fertigbringt, den Zuschauer mit solchen Kniffen selbst zu dem gewünschten Konsumverhalten zu bewegen: Sich selbst das übelste Zeug noch anzusehen mit Appellen an seine niedrigsten Instinkte - in dem man ihm nämlich suggeriert, er würde damit zum couragierten Teil der ganz grossen Geschichte (in diesem Fall z.B. eines epochalen "Tabubruchs").
Das einzige Tabu, das hier erkennbar gebrochen wurde (ein Armutszeugnis dessen, was sich heutzutage so alles unter intellektuellem Anspruch und Weltverbesserei versteht bei Konservativen wie bei Linksintellektuellen oder Feministen) ist: Von Menschen ganz offen und ganz unverhohlen als von Unpersonen zu reden; und mit der ganzen Schamlosigkeit des Missbrauchs von moralischen Werten Hass und Menschenverachtung zu predigen - rund um das Emotionalum Kind, infamerweise: Bis kein Baum am Ende hoch genug ist, sie öffentlich unter Applaus daran aufzuhängen.Die durchschnittlich 40 % Symptomentwicklungen bei Kindern nach einschlägigen Affären, die wir im internationalen Mittel finden, müssen da zwecks archaischen Hasses tunlichst als "Verharmlosung" gelten, um das Hauptargument dieses Mord- und Totschlagsaktionismus gegen "Pädophile" nicht zu hindern. Eine Bevölkerung, die wie keine zweite gelernt hat, über die Verführbarkeit der Massen im allgemeinen oder die Psychologie der Menschenjagd im speziellen zu philosophieren – und dabei gar nicht registriert, dass sich gerade derzeit und unmittelbar vor ihren Augen ganz aktuell eine solche abspielt: Die muss sich fragen lassen, ob sie eigentlich noch ganz bei Trost ist.
Für eine derart unschöne Wertung der ganzen Diskussion zur Zeit im Infotainment spricht auch anderes. Denn die Widersprüche bei unserem Thema sind immerhin erstaunlich:
Es ist zum Beispiel verstandesmässig nicht zu erklären, wie man es eigentlich fertig bringt, dem Publikum selbst im 15. Jahr nach Ausbruch der sensationsreisserischen Massenberichterstattung und den feministischen Aufklärungskampagnen Mitte der Achziger immer noch zu suggerieren, dass man es -nach zwei Jahrzehnten eines allabendlichen "Erwachet"- über das "unbekannte" Leid missbrauchter Kinder, ihre "ungeahnten" Missbrauchssymptome aufklären müsse - oder über das (immer noch ?) "verdrängte" Ausmass von Kinderschänderei und "Pädophilie" mit diesen Stilmitteln. Es scheint im Gegenteil eher, als könne das Publikum von dieser Aufklärerei gar nicht genug bekommen, um so etwas zu erklären. Oder vielmehr: Als seien diese Sprachschablonen inzwischen ein festes Stilmittel von Journalisten geworden, mit denen sie gerade die allerschlüpfrigsten Sensationspamphlete einleiten müssen, damit das einzig Wesentliche nicht dran auffällt: Der Kitzel von Voyeurismus, Grauen und Moral als perfektes Marketingprinzip.Alle kollektive Hexenjagd basiert auf Lust und Rausch. Wir schauen finstren Zeiten entgegen, dass diese Kombination zum verkaufspsychologischen Umsatzfaktor geworden ist. Es mag immer wieder mal die einen oder anderen treffen, es ist die vielleicht die schleichendste Bedrohung des sozialen Friedens in den westlichen Demokratien.
Ein anderer Widerspruch: Von RTL II bis ARD wird uns in Einleitungen stets verkauft, es bestünde eine so schrecklich starke "gesellschaftliche Verdrängungshaltung" dem Thema gegenüber: So dass man eigentlich gar nicht gern darüber berichte, sondern dass man darüber - "leider"- berichten müsse. Selbst in diesen feststehenden Eingangswendungen bereits wird übrigens dazu regelmässig schon das "Widerwärtige" betont und hervorgehoben - als vorgebliche Begründung dafür, weshalb man nicht anders könne (Entschuldigung, liebes Publikum) oder "müsse" (gerade, weil es widerwärtig ist, müsse man darüber aufklären). Auch eine versteckte Suggestivtechnik in Wirklichkeit: Denn bereits damit wird das Widerwärtige heuchlerisch beschworen (auf dass man nämlich auf das Folgende gespanntsei). Wenn z.B. vom "Unaussprechlichen" gesprochen wird, das man gleich zu sehen bekäme, dann zeigt hintennach die beredte Empathie des Kommentators, sobald die Reportage läuft, wie weit es mit dem "Unaussprechlichen" in Wirklichkeit her ist. Auch damit wird eine wohldurchdachte Wirkung erzielt: Es genügt nämlich anschliessend, bloss von einer "sexuellen Handlung" in einem Satz mit "Kind" zu reden, damit wir alle glauben, diese Handlung auch zu sehen, das betreffende Kind bildlich penetriert, vergewaltigt, schreien oder "wimmern",ekeldurchzuckt einen Pädophilen "erdulden"oder sogar im Geist schon seine Symptome auskochen zu sehen: Wir sind dadurch gehalten, selbst witzloseste Filmschnippsel für "unaussprechlich" zu halten und das damit Suggerierte widerspruchslos hinzunehmen - auch wenn sie gar nichts wirklich zeigen. In einer ZDF-Reportage bspw. 2003 bringt man es auf keine andere Weise fertig, dass man den Zuschauer übelst und minutenlang anschaulichst mit einem jungen Mann beim nächtlichen Oralsex mit einem Mann auf einer bulgarischen Cruising-Meile konfrontiert, den man mit versteckter Kamera bis zum Erbrechen des Zuschauers filmt (immerzu hält man die Kamera darauf, um den "Konsens-Ekel" zu erzielen) - und uns anschliessend weiszumachen, wir hätten gerade ein "Kind" beim Sex mit einem "Pädophilen" gesehen: Szenario über sexuelle Ausbeutung von Kindern in Drittweltstaaten. In der ARD zeigt man uns irgendwann gar witzlose Kindernacktaufnahmen von einem Badestrand, untermischt mit einigen Videocovers stinknormaler Homosexuellenpornos (auf denen erkennbar knabenhaft wirkende 20-Jährige zu sehen sind): Und suggeriert damit, man sähe Kinderpornographie.Das Szenario einer weitverzweigten "Pädo-Mafia" schliesslich wird dadurch für uns wahr, dass man`s doch gleich Dutzendweise sehe. Das Presse-Echo auf solche "Enthüllungsreportagen" zeigt: Solche Suggestivtechniken schlagen selbst bei intellektuellsten Leuten regelmässig ein wie eine Bombe. Weshalb man sie auch Tage später ständig wiederholt, wo die Begeisterung so gross ist: Als hochnotdringliche "Aufklärung" selbstverständlich - wider die "Verdrängung".
Es bildet also eine schreckliche "Verdrängungshaltung" den Kanon. Nun stellt aber kein Kaufmann eine Ware, die derart anwidert, dass die Leute vor ihr davonlaufen und sie sogar grossgesellschaftlich "verdrängt" werden muss, doch ausgerechnet noch ins Schaufenster: Wir beobachten nämlich, dass das "verdrängte", "widerwärtige", "tabuöse" Thema regelmässig ausgerechnet in den Hauptsendezeiten und auf den Titelseiten figuriert. Wie, um Himmels Willen, d a s ?
Die Wirklichkeit ist nicht, dass sich Zeitungen weniger verkaufen, sobald das Thema auf dem Titel auftaucht, sondern dass sie -im Gegenteil- gerade dann sogar reissenden Absatz finden. Es ist Marketingmasche. Möglicherweise handelt es sich also gerade bei der so oft beschworenen "gesellschaftlichen Verdrängungshaltung" um eine Fiktion - und damit um das vielleicht erstaunlichste Potemkinsche Dorf des ganzen Sektors: Ein atemberaubendes Suggestionsartefakt in Wirklichkeit, wenn man es sich veranschaulicht - das uns eine ausgefeilte Kampagne mit hoher Frequenz an emotionaler Konditionierung scheinbar solange in den Kopf gesetzt hat, bis wir es mit der Wirklichkeit verwechseln. Bestürzend ist, dass den hier genannten Widerspruch bis dato noch gar kein Fernsehzuschauer gemerkt hat: Wie kann denn eine allgemeine Verdrängungshaltung ausgerechnet zum allgemeinen Kaufrausch führen ? Die Täuschung wird dadurch perfekt gemacht, dass ihm suggeriert wird, er würde von höchster Stelle auch noch hochwertig informiert: Indem die Medien dazu nämlich allzeit ein paar dienliche Experten auftreiben können, die ihrerseits am Thema ihren Reibach machen. Und sei es nur, um über Massenmedium hierdurch eine Bekanntheit zu gewinnen, die ihnen im Wissenschaftsbereich nie zustünde.
Im vielen Fällen wird Erhöhung der Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung gegen Pädophile von Medien nicht in impliziter Form auf den Weg gebracht, sondern recht unverblümt und weit direkter im Sinn des Aufrufs zur Gewalt: Dadurch nämlich, dass Journalisten die Helden ihrer dramatischen Missbrauchsgruseletten -betroffene Eltern meist, infamerweise- offen in ihren Lynch- und Gewaltphantasien zitieren: Mit denen die Autoren scheinbar selber liebäugeln, und stilistisch daher die entsprechende emotionale Verfassung beim Leser aufbauen. Entsprechend dieser Absicht werden gezielt auch entsprechende Identifikationen beim Leser aufgebaut: "Muss ich nicht meiner väterlichen Pflicht nachkommen und diesen Kerl...." - so wird in einer Stern-Ausgabe 2003 in Grossaufnahme ein betroffener Vater heroisiert.
Es tut sich nichts, ob die Kulturredaktion eines Blattes oder Senders nun aus Boulevardjournalisten, aus Konservativen oder aus Feministinnen besteht bei diesem Thema. Bereits aus Ende der Achziger lag mir eine Ausgabe des "Spiegel" vor: Das Kamerateam äussert sich am unteren Bildrand wohlig darüber, wie asiatische Beamte zwei eingepferchte Pädophile gerade mit Holzknüppeln durch die Stäbe eines Bambusverschlags bearbeiten. Als Botschaft verpackt auch hier: Sonst tut ja keiner was.
Sämtliche Faktoren, die wir wissenschaftlerseits kennen, damit etwa Gewaltdarstellungen im Fernsehen bei Jugendlichen erst reell zu Nachahmungsverhalten führen, sind zur Zeit im Erwachsenenprogramm über "Kinderschänder" erfüllt. Und zwar häufiger als jemals dort: Prototypisch a l l e.
Als da sind:
• Ideelle oder moralische Rechtfertigung der physischen Gewalt;
• spezifische Identifikationen der Zielgruppe mit dem gewaltausübenden Helden;
• Herstellung von typologischen Identifikationen bei der Zielgruppe auch mit einem passenden Gewalt objekt in ihrer unmittelbaren sozialen Umgebung (und anderes mehr).
In Bezug auf den dritten Punkt z.B. werden von den Medien zum Teil richtiggehende Merkmals-"Steckbriefe" handgereicht, woran man Pädophile angeblich erkenne (der Typus "Sonderling" z.B. in allen Facetten; oder eben auch das blanke Gegenteil: "ganz normale Menschen scheint´s, ganz wie du und ich", tückischerweise. Oder folgenden Musters: "Alleinlebend - unauffällig - oft mit Kindern zusammen"). Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Kinder alleinlebende unauffällige Pädagogen oder Pfarrer in sozial ganz irritabler Weise lieben oder gar verehren.
Auch diese Dinge geschehen in den Medien regelmässig wieder alibiiert von Experten des beschriebenen Typs: Die dafür die "wissenschaftliche" Rechtfertigung bilden mit Beschwörungen des Grauens von "Pädophilie", dem stets "unermesslichen Leid der Opfer", und der psychologischen Charakterperfidie "der Täter". Nach derartigen emotionalen Aufbauten wirkt dann oft die zeremonielle Schlusssequenz im Strickmuster fast aller Sendungen zur Zeit, dass den Kindern angesichts solchen Grauens ja "nie einer helfe", "Justizbehörden trotzdem untätig" blieben, die Gesellschaft "immer wegschaue" oder "nie einer etwas täte", bereits von sich heraus wie Aufrufung zur Gewalt: Beim Publikum wird das Gefühl einer so vollständigen Hilflosigkeit und Bedrohung aufgebaut, dass sich das ständige " es tut ja keiner was" durchaus so für es übersetzen lässt, den pädophilen Satan -begegnet man denn einem- dann notwehrhaft am besten zu erschlagen, es sei Gebot der Stunde. Aus Kinderschutz wird`s Bürgerpflicht, aus niedrigstem Instinkt Zivilcourage.
Auch wenn sie solche Wirkungen nicht beabsichtigen: Expertenrunden dieses Genres leben von nichts anderem.
Ich distanziere mich hier inzwischen ausdrücklich von jener Art von Kollegen, die sich für derartiges hergeben, denn es scheint mir: Zur Verbreitung hasserfüllter Stereotypen oder zur Belieferung der Bevölkerung mit Theorien für eine Hysterie haben wir als Psychologen unser Fach nicht gelernt. Einen schändlicheren Missbrauch des Vertrauens, das man unserer Zunft entgegenbringt, lässt sich schlichtweg nicht denken. Was hier zu beobachten ist auf diesem Sektor, beschmutzt jeden Anspruch, für den wir als Psychologen dieses Fach studiert haben: Das Wissen der Menschheit über den Menschen zu mehren – statt Nichtwissen zu konservieren oder gar die Publikation widerstreitenden Wissens zu unterdrücken. Oder: Unvorstellbares mit den Mitteln der Wissenschaft gemäss ihrem Auftrag für den Laien in Vorstellbarkeitzu überführen – statt es gar moralistisch zur Tugend zu erheben (als Psychologe ausgerechnet), dass irgend etwas tunlichst unvorstellbar bleiben müsse (!). Nichtpsychologen mögen diese Dinge tun. Für den Psychologen aber ist so etwas die Perversion seines Fachs - und dessen, wofür ein Sozium sich Wissenschaften leistet.
Zwei speziellere gesellschaftliche Erscheinungen auf diesem Sektor seien hier erwähnt: Die eine ist, dass inzwischen offenbar sogar ein wahrer "run" von Prominenten angesichts des werbe- und renommeeträchtigen Kampf-für-Kinder – Heroismus zu verzeichnen ist, sich heute in Vereinen und Werbespots gegen "Pädophile" zu exponieren. Dank der begrifflichen Kennung "Kindesmissbrauch" mutet das ganze dann an wie Beitritt zu Wohltätigkeitsvereinen: Gerade so, wie man sich früher als Prominenter öffentlich für die Krebshilfe, die Aidshilfe oder Initiativen wie "Courage gegen Rechts" engagiert hatte. Bekannte Beispiele sind hierfür Veronica Ferres oder Götz George (denen wohl auch die nötige Naivität und Emotionalität eignet nicht zu erkennen, dass es sich hier um eine etwas andere Angelegenheit handelt - als schlicht nur Wohltätigkeit). Man sieht diesem speziellen Engagement gegen Menschen einfach nicht seinen faschistoiden Untergrund an. (Fritz Lang hat in seiner weltberühmten Nazi-Prophetie "M" just diesen Typus der rechten Bürgerwehr auf der Menschenjagd gegen einen sexuellen Abweichler bereits in der Weimarer Republik präzis versinnbildlicht). Ein anderer Schauspieler exponiert sich für den Verein "Dunkelziffer" - und fällt im Oktober 2003 in einer Talkrunde bei "Kerner" mit völlig verrückten Hasszischereien auf: "80 % dieser Perversen"orakelt`s bspw., " werden doch sowieso rückfällig" (es sind sogar nur 30 %), darum "lieber 3 Unschuldige in Sicherungsverwahrung(!)", als "auch nur einen (dieser brandgefährlichen pädophilen Satane) "nochmal Lehrer werden zu lassen".Kerner –als Journalist von keiner Fachbildung beleckt zum Thema- schürt daraufhin nun kräftig nach: Undwieso tut die Politik ob solchen Grauens noch immer nichts, Frau Schmidt ? Einmal abgesehen von der bizarren Realitätsferne solchen stereotypen Blödsinnsgejodels für jeden Strafrechtler, der die sich überstürzende Gesetzverschärfungskaskade der letzten 12 Jahre mitbekommen hat: In jener Runde sass diesmal kein Wissenschaftler - und dennoch kam nach solchen Verlautbarungen die Ministerin Renate Schmidt derartig unter Druck vor dem dadurch aufgeputschten Publikum, dass sie mitten bei "Kerner" um ein Haar die nächste Strafrechtsverschärfung versprochen hätte, nur um aus diesem Höllenzirkus zu entkommen. 10 derartiger Sendungen im Wochenabstand wären durchaus im Stande, Dinge wie die Todesstrafe in Hessen doch eigentlich als recht diskutable Angelegenheit in Diskurs zu bringen (bei der bis dato lediglich das Bundesrecht die noch immer geltende Landesbestimmung dominiert).
Ein gutes Beispiel für eine hinter rührigen Kinderschutzallüren verborgene Menschenhatz für´s liebe Kind aus faschistoformem Hintergrund ist bspw. Gabriel Gavliks Verein "carechild e.V.": Auf der homepage der Organisation fällt ausser plattitüdenhaftem Kolorit um "Kinder" vor allem eine erschreckend entmenschlichende Sprache auf. Unter anderem muss sich dort ein Rechtsanwalt einschlägig diffamieren lassen, weil er für solche "Kreaturen" gar Verteidigungsmandate vor Gericht übernimmt. Der Extremist und Privatmann ist inzwischen mehrfach gerichtlich vorbelastet - unter anderem wegen gefälschten Zitaten aus wissenschaftlichen Werken, um Fachkollegen einschlägig der "Verherrlichung von Kindesmissbrauch" zu diffamieren. Was "Report München" (wohl aus Unkenntnis) nicht davon abhält, Blut zu riechen und sich -inspiriert seit Wochen zuvor von Karremann (s.o.)- von diesem "Gewährsmann" ausgerechnet neuerlich auf die unglückliche AHS ansetzen zu lassen.
Diesmal endet es mit der sozialen Enthauptung des ersten Kuratoriumsmitglieds. (Zuvor schon war Oswald Kolle -damals allerdings noch mit unverdächtiger Pamphletistik- anonym unter Druck gesetzt worden, ob er nicht wüsste, im Kuratorium eines Kindeshändlervereins zu sein ? - und hat verschreckt die Segel gestrichen). Johannes Glötzner blieb – und musste dafür büssen: Auf eine suggestive Frage im Laufe eines (betrugstechnisch übrigens schon hinterhältig erschlichenen "Interviews" als sei er bereits feststehender Verbrecher) hatte er, als er unter vorgehaltner Kamera urplötzlich mit seiner Kuratorenschaft in der AHS konfrontiert worden ist, nicht die obligate Pauschalverdammung über Pädophile beigesteuert. Diese lässt sich so oder anders in 5 Worte fassen: "Sex mit Kindern = kopf ab". Glötzner verweigerte den obligaten Fünfwortsatz. Stattdessen: Solange es nur um Zärtlichkeiten ginge, habe er nichts gegen Pädophilie; sexueller Missbrauch sei hingegen inakzeptabel. Dies "Umwundenheit" genügt dem Münchner Redakteur Bönthe, um den Mann daraufhin dann prompt –(nichts anderes war vorgesehen, egal was er als AHS-Kurator geantwortet hätte) als Missbrauchsverherrlicher und Kinderschänderfreund (und potentiell gar selber einem) mit einem Schlag um Amt, Beruf und Ansehen seiner Heimatstand zu bringen. Man bemerke die öffentliche Rechtlichkeit eines weiteren Vorgangs durch die Öffentlich-Rechtlichen: Bevor der Mann sich selber überhaupt noch äussern kann, stossen -kaum dass Radio Schwarzfunk München zum Skandal geblasen hat- sofort gleich dutzendweise eilfertige Politiker aus bayrischen Ministerien und ereiferte Schmierfinken der Lokaljournaille ins Horn - und schreiten zum praktischen Vollzug der Existenzvernichtung: Kaum, dass sie Lunte riechen, ergreifen sie die ortsnahe Gelegenheit (dazu braucht es kein Ermittlungsverfahren zur Prüfung irgend einer Art von Schuld)- sich volksnah ins rechte Licht zu setzen mit Forderungen nach "sofortiger Entlassung" des verdienten Mannes aus allen Ämtern, oder dem empathischen "unglaublich", dass er je eins hatte usw.; kurz: Man schreitet zu seiner sozialen Ermordung. Man verspricht der Lokalpresse gar, sich dafür "einzusetzen". Dem Gepräge nach, das man sich gab: Als "Kinderschützer" der Nation - selbstverständlich.
Der Mann hat nie ein Kind missbraucht. Dass seine Kollegen, zig bestürzte Schüler und Ehemalige, die er in seiner Jugendarbeit im Auftrag der Stadt München die letzten Jahzehnte betreut hatte, für den beliebten Mann spontan eine Solidaritätskundgebung auf die Beine stellen: Es nützt ihm nichts mehr. Hätte Report München etwa darüber hinterher berichtet ?
Die Medien beseitigen kaum jemals hinterher den Kothaufen, den sie Menschen vor die Haustür setzen, nachdem sich der Gestank erst einmal als "Skandal" für sie gerechnet hat. Sie sind das einzige Machtsystem in unserer Demokratie, das es sich leisten kann, sich nicht in Frage zu stellen; jedenfalls nie dort wo es am meisten weh tut.. Dennsie haben das Infragestellungsmonopol, über welche Infragestellungen berichtet wird. Und wer sollte uns denn investigativ oder sonst wie über Medienferkeleien berichten, ausser- die Medien ?
Der Leser mache einmal die Probe aufs Exempel und schreibe den Medien irgendwas als Leserbrief, das den Verdacht erweckt, bei Pädophilen könne es sich um Menschen handeln – hin und wieder gar um gute. Es bewiese meine Theorie, dass er automatisch damit rechnen kann, weder einen Abdruck noch Begründung für den Nichtabdruck zu erhalten. Man hält ihn automatisch für einen Pädophilen. Nur solche schliesslich könnten so etwas behaupten – von da aus wird dann prompt auf S i e geschlossen. Man hält sie in der Folge keiner Antwort wert. Diese Menschen gelten nichts mehr. Selbst, würden Eltern sich in ihrer Angst an Spiegel, Stern, Focus oder "Report München" wenden, ihr Sohn könne ihnen nächstens totgeschlagen werden aufgrund der allgemeinen Volksstimmung, so werden Sie die Erfahrung machen: Es würde nicht gedruckt.
Zu verdanken haben Sie das Kinderschutzvereinen eines bestimmten Gepräges, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Ein Netzwerk von Fanatikern unterschiedlichster ideologischer Couleur hat mit aufgesetzten Kinderschutzallüren zur Verschleierung des eigentlichen Antriebes -Hass gegen sexuelle Abweichler- ein ganzes Presse- und Politsystem unter seine Meinungsführerschaft, und mithin unter Kontrolle, gebracht. Eine ganze Bevölkerung hat während dieser Entwicklung entweder 15 Jahre lang geschlafen oder aber den Empörungstaumel gegen Kinderschänder vorgezogen - statt hier kritisch und wachsam zu bleiben, was sich da der Wirklichkeit nach vollzieht. Wer die Dynamik der Besetzung von Politik und Pressewesen im 18. Jahrhundert durch die jacobinische Bewegung Robbespierres zur Zeit er Französischen Revolution studiert hat, bis sie zum repressiven Überwachungssystem geworden ist, wird hier unschwer ein bestimmtes Muster erkennen (keine Verschwörungstheorie: In geschichtlichen Dimensionen ist so etwas eine Banalität, die alle 30-40 Jahre irgendwo in Sozialsystemen auftaucht). Keine Banalität hingegen ist der Blutzoll dessen, was Jacobiner in der Zeit anrichten ehe man ihrer überdrüssig wird und die Bevölkerung sie irgendwann entsetzt und ausreichend angewidert wieder aus den Zentralen jagt. Zu dieser Phänomenologie zählen auch die gegenwärtig für jeden beobachtbaren Techniken der Meinungs- und Publikationsunterdrückung, mit -sprichwörtlich- allen Mitteln derzeit.
Wer dies für Polemik hält, der kann auch hier unschwer die Probe aufs Exempel machen mit den Dingen, die ich ihm mit diesem Text als wissenschaftliches Rüstzeug an die Hand gebe: Die hier gemeinten Kreise wissen, dass sie mit ihren emotionalen Plattitüden und emotionalisierenden Verallgemeinerungen über "missbrauchte Kinder" oder "Pädophile" mit ihren wissenschaftelnden Standpunkten in keinem tatsächlichen wissenschaftlichen Diskurs bestehen könnten. Dies erkennt der Laie an zwei Dingen: 1) Der ganzen Panik, mit der sie auf Veröffentlichungen (wie bspw. auch diese hier) -verkleidet als "Bestürzung", vorgeblich um`s "Kind"- nur reagieren können; und vor allem: 2): an den Mitteln, die ihnen daher allein nur zur Verfügung stehen:
Schneiden kritischer Kollegen – publikative Unterdrückung – Diffamierung.
Es erschwert die Überprüfung dieses Sachverhalts beachtlich, dass es sich hier nicht mehr auf eine zahlenmässig beschränkte, umschreibbare Minderheit in Publizistik und TV eingrenzen lässt, um sie mehrheitlich etwa als einen repressiven Zirkel zu identifizieren (und rechtzeitig in ihren Einflüssen beschneiden) zu können: Sondern dass die eingelehrte Art der Diskussion über Kindesmissbrauch seit 1987 vielmehr als "epochaler Tabubruch" -als Chic, als Trend, als feministische Form neuen Intellekts- daher kam, mit der sich "Frau" (und zunehmend auch der moderne Mann) gefälligst zu identifizieren hätte. Auf diese Weise ist ein repressiver Jacobinerclub aus Feministinnen und fanatisierten Linken über "sexuelle Ausbeutung" zu Beginn (ohne dass es vom Sozium rechtzeitig und selbstkritisch hätte gemerkt werden können) selber Mehrheit geworden.Dieser Coups war gelungen, sobald (in der chronologischen Abfolge, soweit ich sie in meinem Fach richtig beobachtet habe) die Presse das schlüpfrige Sujet zum Masseneinschaltquotenrummel für sich entdeckt hatte: Gespielt wurde mit der verständlichen Beangstigbarkeit der Bevölkerung - mit der natürlichen Angst jeder Familie um ihre Kinder. Ab hier tritt die Entwicklung ein, dass sich am Ende auch die Konservativen –empörungsdemagogisch unter Druck gesetzt- von der Kolportage der "Verharmlosung" und verklemmten, spiessbürgerlichen "Verdrängung" von Kindesmissbrauch (fortan: "Pädophilie") zu säubern hatte. Entscheidender für die heutige exakte Art unserer Diskussion ist jedoch, dass eine rechte Geschmacksrichtung innerhalb des Konservativismus dabei ein Ventil ihres Hasses gegen "Perverse" und sexuelle Abweichler entdeckt hatte. Dies ist nach meiner Sicht inzwischen die Dynamik der ganzen Katastrophe.
Erkennbar ist diese böse Status dieser Dinge mithin zur Zeit nur noch daran, dass die oben beschriebenen 3 Praktikenausgerechnetüberall von allen Kanälen sogar ausdrücklich zur Tugend und zum obersten Gebot des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses über "Kindesmissbrauch" erhoben werden im Moment - bis teils demagogisch propagiert. Für jeden ist auch das z.B. unmittelbar beobachtbar.
Merken Sie beispielsweise auf öffentlichen Veranstaltungen, wie es Ihnen vor Angst den Hals zuschnürt, öffentlich (oder privat auch nur ihrem Nachbarn) irgend etwas entgegnendes zugunsten "Pädophiler" zu sagen ? Geben Sie sich selbst einmal als Selbstexperiment den Auftrag dazu. Dann stellen Sie auch die angerichtete Sozialathmosphäre fest, die solchen Dingen immer eigen ist:
Angst.
Ein äquivalentes Phänomen ist auch folgendes:
Die Rollkommandos der Jacobiner hin zur Guillotine nannten sich selbst damals "Wohlfahrtsausschuss". Die Bevölkerung bemerkte seinerzeit zu spät, was es mit der humanitären Namensgebung auf sich hatte. Der Begriff liess unmöglich solche Assoziationen zu. Der Wohlfahrtsausschuss war die Politzentrale des jacobinischen Überwachungsstaates. Von hier aus wurden die Blutgerichte organisiert, die in einer paranoiden Wahnspirale am Ende jeden Bürger auf die Guillotine brachten -schubkarrenweise- der anderer als der politisch opportunen Meinung war. Am Ende genügte die blosse Verleumndung, das nicht zu sein. Ganz am Ende aber: Das Fehlen eines Mitgliedsausweises, wenn man angesprochen wurde. Nicht gesichert Mitglied der jacobinischen Partei zu sein. Eine paranoid anmutende Ausspähungen kritischer Geister mit Suspekterklärung ist auf unserem Sektor nun jedem geläufig, der auf diesem thematischen Gebiet so seine eigne Meinung hat als Fachler.
Die Katastrophe der eigentlich freiheitlich gesinnten Französischen Revolution ging also von einer für karitative Wohlfahrtseinrichtung zu haltenden politischen Verbindung aus (namens "Wohfahrtsausschuss"). Kennzeichnend ist, dass sich dieser Verein aus hasserfüllten politischen Mordbrennern durchaus selbst -und völlig ehrlich- auch für karitative Massnahme seiner Gesellschaft hielt. Ohne den Vergleich mit dem Wohlfahrtausschuss der französischen Revolution natürlich allzu wörtlich nehmen zu wollen: Aber gelingt nun der Transfer etwas besser, was es mit "Kinderschutzvereinen" hin und wieder auf sich haben könnte ?
Was sich hinter "Kinderschutzvereinen" so alles verbergen kann, wird z.B. auf der Homepage des Giessener Vereins "Gegen Missbrauch" transparent: Man gewinnt spontan den Eindruck, dass dort eine Horde jugendlicher science-fiction – Anhänger in die Rolle von Missbrauchsopfern schlüpft, um als obskure Geheimloge aus"Verbündeten" (wie sie sich nennen) gegen Pädophile wie als einer Gattung Echtzeit-Aliens zu stilisieren; und die dort den Kampf gegen das Böse in der Welt und eine unheimliche Weltverschwörung probt.
Eine andere Erscheinung auf diesem Sektor inzwischen sind sog. "öffentliche Diskussionspodien", die von einschlägigen Verbänden organisiert werden - meist, um durch Aufgreifung des Modethemas "Kindesmissbrauch" in der Öffentlichkeit für sich zu werben. In diesen öffentlichen Podiumsdiskussionen sind die dort eingeführten Experten in Wirklichkeit einschlägiger Ideologie; und wird in Wirklichkeit sichergestellt, dass nicht eigentlich mit dem Publikum "diskutiert", sondern dass es mit entsprechenden Doktrinen belehrt bzw. missioniert wird. Missioniert werden soll gegen eine vorgeblich allgegenwärtige "Verdrängung" im Publikum - und pädagogisch wird zum Schein für diesen Zweck eine enges Spektrum von beredbaren Themen (sämtlich innerhalb der zu vermittelnden Doktrin) zu einer "Diskussion" vorgegeben, um den Eindruck von offenem Diskurs zu erwecken. (Meistens landen in diesen Podien allerdings nur ohnehin die an Grauen und Opfermelodram bereits einschlägig Interessierten). Dieses Gepräge der Veranstaltungen fehlt allerdings erst auf, wenn man als Besucher einmal darauf achtet, wie auf kritische Publikumsfragen -sei es zum Forschungshintergrund lebenslanger "Missbrauchssymptome" oder zu den reellen Verfahrensweisen an Kindern derzeit- von der Veranstaltungsleitung reagiert wird. Einem Rechtsanwalt, der einem "Polizeiexperten" in einer solchen Runde einmal vom Publikum aus lebensecht aus dem Vernehmungsprotokoll eines Kindes zitierte (der hatte gerade die "kindgerechte Professionalisierung" des Kampfs gegen "Kinderschänder" gepriesen), wurde dem Mann bei solcher Gelegenheit kurzerhand fast das Mikrofon abgestellt. Und als hätte nicht eben jemand im Publikum eine Frage gestellt, quittierte man den Einwand des Zuhörers sekundenlang mit gespenstischem und eisigem Schweigen. Ohne ihm zu antworten, ging man dann unbeirrt zu andrem über - so als sei gar nichts geschehen. Grundsatzfragen sind unerwünscht. Es sind perfekt inszenierte Scheindiskussionen: "Diskutiert" wird da nichts. Jeder der einschlägigen vorgeblichen oder tatsächlichen Psychologen in solchen Runden zur Zeit müsste sich zum Beispiel eine ganz simple Frage gefallen lassen, sobald er öffentlich auch nur von Missbrauchssymptomen spricht: Ob er denn im ganzen Studium noch nichts vom Problem der experimentellen Kausalprüfung gehört hat - und wie er dann als Psychologeausgerechnet derartige kausale Aussagen nachplappern kann. Es muss dem Leser überlassen bleiben, ob ihm als "Experte" glaubhaft ist, wer ihm dauernd derart stereotypes Zeug als Expertisen bringt, wie wir es hier herausgearbeitet haben. Ich glaube ihm in dieser Arbeit eine etwas weitläufigere Bildung zu vermitteln. Vor allem eine, die im Gegensatz zu jener anderen lebenspraktisch wirklich zu beobachtenist -und durch eigene Beobachtung vor allem überprüfbar
--modified by Griesemer_M at Mon, Dec 20, 2004, 01:16:44
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